05 September, 2007 T e l e a r b e i t
 

Telearbeit: Eine Einführung

 

Formen der Telearbeit

Telearbeit tritt in verschiedenen Formen auf. Sie kann z.B. in der Wohnung des Mitarbeiters (heimbasierte Telearbeit) oder auch unterwegs (mobile Telearbeit) erbracht werden. Ebenso setzen manche Arbeitgeber ihre Mitarbeiter bei ihren Kunden ein, wobei die gesamte Ausstattung, mit der diese arbeiten, dem eigenen Arbeitgeber gehört (On-Site-Telearbeit). Schliesslich kann Telearbeit auch ausgeführt werden, indem Telearbeitsplätze in Telecentern gebündelt werden.

Heimbasierte Telearbeit

Der Begriff der heimbasierten Telearbeit bezeichnet alle Formen der Telearbeit am häuslichen Arbeitsplatz des Mitarbeiters. Hierbei lassen sich

  • die Telearbeit ausschliesslich zu Hause und

  • die alternierende Telearbeit

unterscheiden.

Telearbeit ausschliesslich zu Hause

Bei dieser Tätigkeitsform steht dem Telearbeiter kein Arbeitsplatz beim Arbeitgeber zur Verfügung. Stattdessen erfolgt die Arbeitsverrichtung ausschliesslich in der Wohnung des Mitarbeiters.

Hier hat der Mitarbeiter einen Arbeitsbereich mit PC und entsprechender Vernetzung. Somit kann er mit seinem Arbeitgeber auf dem Weg des elektronischen Dokumententransfers, e-Mail, Videokonferenz oder auch per Telefon in Kontakt treten. Auch der Austausch der Arbeitsergebnisse erfolgt über diese Wege. Der Telearbeiter hat häufig keine direkte Berührung mit seinen Kollegen und tritt mit seinem Vorgesetzten nur selten in persönlichen Kontakt. Bisherige Erfahrungen zeigen, dass diese Form der Telearbeit aufgrund mangelnder persönlicher Kontakte und der damit möglicherweise verbundenen sozialen Isolation oftmals abgelehnt wird. Dem kann die intensive Nutzung der vorhandenen Kommunikationstechnik entgegenwirken. Ein sinnvoller Einsatz der Telearbeit ausschliesslich zu Hause besteht z.B. bei der Integration von Erwerbstätigen mit eingeschränkter Mobilität (z.B. Behinderte) oder bei der Beschäftigung von Mitarbeitern in strukturschwachen Gebieten. Darüber hinaus kann es gerade im Erziehungsurlaub oder auch bei vorübergehenden persönlichen Belastungen eines Mitarbeiters (z.B. Erkrankung in der Familie) angebracht sein, diese Form der Telearbeit zu nutzen.

Alternierende Telearbeit

Bei dieser Form der Telearbeit besitzt der Arbeitnehmer sowohl einen Arbeitsplatz beim Arbeitgeber als auch einen in seiner Wohnung, wobei er zwischen diesen Arbeitsplätzen hin- und herwechselt.

Im Gegensatz zu der oben vorgestellten Telearbeit ausschliesslich zu Hause behält hier der Telearbeiter den persönlichen Kontakt zu Vorgesetzten oder Kollegen.

Die alternierende Telearbeit wird nicht nur in privatwirtschaftlichen Unternehmen eingesetzt, sondern hat sich auch in Pilotversuchen der öffentlichen Verwaltung bewährt. Im Interesse der Aufrechterhaltung sozialer Bindung auch bei der Ausübung von Telearbeit wird i.d.R die alternierende Telearbeit an nicht mehr als maximal drei Wochentagen ausgeübt. Um neben der sozialen Bindung nicht auch die persönliche Kommunikation einzuschränken, sollten nicht mehr als zwei Telearbeitstage aufeinander folgen.

Shared Desk Lösungen

In bezug auf den Arbeitsplatz beim Arbeitgeber werden in der Praxis unterschiedliche Lösungen angewandt. In vielen Unternehmen behält der Telearbeiter seinen angestammten Schreibtisch in uneingeschränktem Masse.

Es ist aber auch denkbar, dass der Arbeitnehmer seinen Arbeitsplatz mit anderen Mitarbeitern teilt. An den Tagen, an denen der Mitarbeiter beim Arbeitgeber arbeitet, kann er dies an seinem Arbeitsplatz tun. Ist aber dieser Arbeitnehmer an seinem "Telearbeitstag" nicht im Unternehmen, sondern zu Hause, so arbeitet einer seiner Kollegen an diesem Schreibtisch.

Mobile Telearbeit

Mobile Telearbeit bezeichnet das ortsunabhängige Arbeiten mit
mobiler Kommunikationstechnik.

Die Entwicklung der Informations- und Kommunikationstechnik erlaubt es, sich Online in den Zentralrechner eines Unternehmens einzuwählen, Daten abzurufen sowie Ergebnisse, Termine und andere Daten zu übertragen. Regelmässige Fahrten zur Unternehmenszentrale können somit entfallen. Als typische Erscheinungsform der mobilen Telearbeit hat sich das mobile Büro herausgebildet, welches hauptsächlich von Aussendienstmitarbeitern oder Servicetechnikern genutzt wird.

Telearbeit im Telecenter

Telearbeit kann auch praktiziert werden, indem man ganze Büroeinheiten aus dem Hauptgebäude in neue Räumlichkeiten "auslagert" und dort Telearbeitsplätze einrichtet. Durch diese Bündelung verschiedener Formen der Telearbeitsplätze entstehen Telecenter.

Bei der Telearbeit in Telecentern können drei Formen unterschieden werden:

  • Satellitenbüro,

  • Nachbarschaftsbüro und

  • Teleservicecenter.

Bei einem Satellitenbüro handelt es sich um Büroräume, die zwar zu einem Unternehmen gehören, sich aber nicht in den üblichen (zentralen) Büroräumen befinden, sondern ausgelagert sind.

Aus der Sicht der dort arbeitenden Mitarbeiter handelt es sich um wohnortnahe Büros, so dass diese ein deutlich geringeres Pendelaufkommen haben. Der Arbeitgeber kann den Vorteil für sich verbuchen, durch Telecenter Arbeitskräfte für sich zu gewinnen, die das Pendelaufkommen abschreckt und die nicht in die Nähe der Arbeitsstätte ziehen würden.

Nachbarschaftsbüro

Nachbarschaftsbüros befinden sich wie Satellitenbüros in räumlicher Nähe zu den Wohnorten der Mitarbeiter. Im Gegensatz zu Satellitenbüros werden sie jedoch von mehreren Unternehmen genutzt und unterhalten.

dazu: Teleservicecenter

Die Teleservicecenter stellen eine Ergänzung bei der Darstellung von Telecentern dar. Nach der Begriffsdefinition gehören sie nicht zur Telearbeit. Bei Teleservicecentern ist der Arbeitsplatz nicht mit der zentralen Betriebsstätte verbunden, sondern es werden an einem zentralen Arbeitsplatz Teledienstleistungen für einen fremden Auftraggeber erbracht.
Begriffsdefinition der Teleservicecenter

On-Site-Telearbeit

Für zahlreiche Berufe gehört es schon heute zur tagtäglichen Praxis, "vor Ort" beim Kunden oder Lieferanten zu arbeiten und dennoch über Telemedien mit der eigenen Organisation stets in enger Verbindung zu stehen. So befinden sich die physischen Arbeitsplätze von Unternehmensberatern ebenso wie die vieler Softwareentwickler oder Systemspezialisten häufig jeweils projekt-bezogen am Kundenstandort.

On-Site-Telearbeit bezeichnet die Ausführung von Telearbeit am Ort des Wertschöpfungspartners oder -prozesses, wobei die Telearbeitsplätze stationär eingerichtet sind.

 

(Aus: Telearbeit - Ein Leitfaden für die Praxis
Herausgegeben:
Bundesministerium für Arbeit und Sozialordnung
Bundesministerium für Wirtschaft
Bundesministerium für Bildung, Wissenschaft, Forschung und Technologie)

 


erstellt von: gutura - the remote work company - /tt